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Cutter
Die Position Schnitt meint meist den „Bildcutter“, wobei es weitere Cutter braucht, um den Film fertigzustellen. Der Beruf hat eine lange Strecke hinter sich: Begonnen hat es mit dem ehrwürdigen Schnittmeister, einem Menschen, der meist im weißen Kittel am Film operierte und viele Assistenten zur Hilfe hatte.
Die Begründung zum Urheberrechtsgesetz nahm den Cutter als einen von drei möglichen Miturhebern (neben Regie und Kamera) des Films auf, eine Wertung, die nur wenige andere Länder ebenso trafen (in Spanien sind es z. B. nur Komponist, Autor und Regisseur). Mit dem revolutionären Aufbegehren des Autorenfilms in den frühen Siebzigern, zogen die Frauen in den Cutter-Beruf ein. Es war der erste Bereich hinter der Kamera, der von den Frauen erobert wurde, die sich im Film nicht auf eine Rolle als schmückendes Beiwerk beschränkten wollten, sondern als gleichberechtigte Filmemacher ihre Rolle suchten und fanden. Bis heute ist der Beruf eine Domäne der Frauen in der Filmwirtschaft und ein Beruf, in dem sie zahlenmäßig eindeutig die Überhand haben.
Erst jetzt, mit den Wirren der Web-2.0-Generation sind auf einmal wieder Männer in, sagen wir: „der Position des Cutters“. Sie haben einen komplett anderen Hintergrund und eine ganz andere Herangehensweise. Sie haben ihr Handwerk nicht in den dunklen Schneideräumen der großen Filmstudios gelernt, sondern sind Computer-Nerds mit einer Hand für die Bildbearbeitung. Die Digitalisierung von Bildfolgen ist ihr Metier.
Florentine Bruck, Cutterin, Hamburg, Vorstand des BFS
Film Editor, oder wie es früher hieß: „Cutter“, ist ein wunderbarer Beruf! Der Weg dorthin ist allerdings oft dornig und langwierig.
Als ich in diesem Beruf begann, im Jahre 1977, gab es kaum Filmhochschulen und schon gar keine, die „Filmschnitt“ lehrten. Eigentlich wollte ich anfangs Regisseurin werden. Aber in Ermangelung irgendwelcher Praktikumsplätze machte ich stattdessen ein Praktikum im Schneideraum als 2. Assistentin. Da zu dieser Zeit noch analog geschnitten wurde, war auch die Besetzung des Schneideraums größer. Zudem fand mein „Debüt“ bei einem großen Kinofilm, „Der Schimmelreiter“, statt. Es gab also viele große Filmrollen zu nummerieren (kleine, von Hand mit weißer Tinte geschriebene, Zahlen auf der Perforation, garantierten bei jedem Schnitt absolute Synchronität von Bild und Ton). Heute wird die Nummerierung durch Time- bzw. Keycodes ersetzt.
Das erste halbe Jahr habe ich brav nummeriert, aber auch Muster getrennt und angelegt sowie gelernt, wie ein Schneideraum organisiert wird. Das großartige am analogen Schneideraum war, dass man meistens mit dem/der Film EditorIn gemeinsam in einem Raum war und so, neben der eigenen Tätigkeit, viel von der Psychologie des Berufes mitbekam. So haben meine Kolleginnen und ich von der Pike auf gelernt, wie man z. B. mit schwierigen Projekten, im Gespräch mit dem Kopierwerk oder Mischstudio, mit Produzenten und Regisseuren, und deren, teils problematischen Charakteren umgeht bzw. am Besten verfährt. Was für den Regisseur die Schauspieler sind, sind für uns Film Editoren, die Regisseure.
Ich habe dann sieben Jahre als 1. Assistentin gearbeitet. Die meiste Zeit davon mit dem Cutter, der mich ausgebildet hatte, Klaus Dudenhöfer (Altmeister der ersten Stunde, der u. a. viele Filme von Helmut Käutner geschnitten hat). Nach einer Auszeit vom Schneideraum, in der ich das Gefühl hatte, auf der Stelle zu treten und nicht voran zu kommen, habe ich für einige Zeit die Seiten gewechselt und als Script/Continuity sowie als Regieassistentin gearbeitet, um dann aber wieder zurückzukehren, diesmal aber als Sound Editor.
Dieses war damals der klassische Weg: Assistent, Sound Editor, Film Editor. Damals wie heute, ging es natürlich darum, in der Branche bekannt zu werden und Kontakte zu knüpfen. Während meiner Assistenten- und Soundeditorenzeit habe ich dann den Regisseur Hans-Christoph Blumenberg kennen gelernt, bei dem ich das erste Mal geschnitten habe. (Bis heute haben wir 17 gemeinsame Filme gemacht.)
Natürlich war dieser Werdegang keine klassische „Ausbildung“, denn der Beruf des Film Editors war kein Ausbildungsberuf. Das wurde er erst im Jahre 1996, als das Berufsbild des Film- und Videoeditors geschaffen wurde, welches sich allerdings, auch natürlich durch die Umstellung vom analogen zum digitalen Schnitt, sehr von dem unterscheidet, welches wir „Quereinsteiger“ seinerzeit erlebten.
In den letzten zehn Jahren nun hat sich das Business sehr gewandelt. Es gibt viele Filmhochschulen, die mittlerweile auch zum Filmeditor ausbilden (Konrad Wolf/Babelsberg, Filmhochschule Baden-Württemberg/Ludwigsburg und IFS in Köln).
Die Absolventen dieser Schulen sowie die Film- und Videoeditoren, sind natürlich, in den meisten Fällen, noch keine erfahrenen Film Editoren und arbeiten als Assistenten. Da aber die Assistenten fast nur noch von den Postproduktions-Häusern beschäftigt werden und oftmals keinen engen Kontakt zu den Film Editoren haben, d. h. von ihnen weiter lernen können, verkommen diese eigentlich qualifizierten Nachwuchskräfte teilweise zu so genannten „Digigirls“ oder „Digiboys“, die manchmal mehrere Produktionen betreuen, um zu digitalisieren und Muster anzulegen, sich aber niemals mit einem Projekt an sich identifizieren können, da sie auch beim Schnittvorgang gar nicht mehr involviert sind. Auch der Trend, zu Hause am PC mit diversen Schnittprogrammen zu arbeiten führt dazu, dass wichtige Vorgänge, wie Kopierwerksbelange, Fehler im Material, Vorbereitung zu Vertonung und Mischung, gar nicht mehr beherrscht werden.
Immer mehr Filme werden immer billiger hergestellt, was bedeutet, dass auch die Mitarbeiter nicht immer qualifiziert sind und die Preise enorm gedrückt werden. Natürlich gibt es eine Gagentabelle für Film- und Fernsehschaffende, in der jedoch der Beruf des Film Editors in keinster Weise honoriert wird. Die meisten Regisseure bezeichnen ihren Film Editor als den wichtigsten Mitarbeiter neben dem Kameramann. Nur leider verdient der Kameramann mehr als doppelt so viel, wie der Film Editor! Die derzeitige Tarifgage (für welche die wenigsten Filmschaffenden arbeiten, denn Gage ist auch Verhandlungssache) sieht den Film Editor bei 1.145,00 EURO pro Woche, den Assistenten bei 710,00 EURO. Der Kameramann dagegen verdient schon nach Tarif 2.405,00 EURO pro Woche. Der Bundesverband Filmschnitt (BFS), der sich mit aller Kraft für die Rechte der freischaffenden Film Editoren, Sound Editoren und deren Assistenten einsetzt, erstellt regelmäßig einen Gagenspiegel, der als höchstes Einkommen für die Jahre 2004/2005 eine Gage von 2.000,00 EURO pro Woche verzeichnete. Die Durchschnittsgage für eine TV Produktion von 90 Minuten beträgt (auf Lohnsteuerkarte) 1.500,00 EURO.
Abschließend wäre zu sagen, dass enormes Engagement sowie das Knüpfen von Netzwerken innerhalb der Branche unerlässlich ist, für einen erfolgreichen Einstieg und ein erfolgreiches Verweilen im Business.
Einen Film zu schneiden ist immer wieder ein Erlebnis. Es ist ein kreativer Vorgang, der niemals gleich ist. Jeder Film ist neuen Gesetzmäßigkeiten unterworfen. Bei jedem Film lernt man neue Menschen kennen und muss sich mit ihnen arrangieren. Oft gibt es Tränen und Zerwürfnisse, oft aber werden Kollegen zu Freunden fürs Leben. Film Editor ist vielleicht der schönste Beruf in dieser Branche und immer geht er Hand in Hand mit einem großen Maß an Kollegialität und Menschlichkeit.
Die zunehmende Verwendung von bewegten Bildern im Internet, zunächst als Animationen, jetzt auch des Realbilds haben einen Bedarf nach Menschen ausgelöst, die das Bild bearbeiten können, so dass es auch nach was aussieht. Die Anforderungen von Web 2.0 verlangen nach anderen Kriterien als Film, aber die universellen Maßstäbe bleiben gleich: Die Sequenz muss für das Web zwar sehr kurz sein. Aber nur wenn etwas Interessantes gezeigt wird und bei längeren Sequenzen, wenn etwas Interessantes erzählt wird, weckt es das Interesse der Zuschauer.
Misstrauisch beäugt die neue Generation der Web-Cutter die traditionellen Cutter, mit denen sie nach ihrem Dafürhalten nichts verbindet und derer sie sich gar nicht bewusst waren. Dabei verbindet beide Gruppen mehr als sie trennt. Das Interessante am Film ist, dass es keine Bewegung gibt, die nicht auch wieder Einfluss auf den Film selbst hat. So wird es nicht lange dauern bis ein Regisseur auf die Idee kommt, seinen Film von einem der Stars der Web-Cutter schneiden zu lassen, dessen Wahrnehmung und Bildsicht dann wiederum den Film beeinflussen wird.
Es wird wohl eine Aufgabe für die Zukunft sein, die beiden unterschiedlichen Welten aneinander heranzuführen.
Das Berufsbild des Cutters verändert sich individuell mit den handelnden Personen. Vorgesehen ist, dass der Cutter, „der Regisseur der Post Production“ ist. Er/sie übernimmt von jetzt an das Heft des Handelns und setzt selbstbestimmt den Schnitt des Films um. Der Regisseur überwacht nur, dass der Kontext und die Aussage seiner Regiearbeit nicht beeinträchtigt werden. Gute Regisseure überlassen ihren Schauspielern die Ausfüllung der Rolle und geben nur den Rahmen vor, der notwendig ist, die Geschichte in ihrem Sinne zu erzählen. Für das Verhältnis zum Cutter gilt das Gleiche. Es ist auch eine Frage der Neigung. Einigen Regisseuren sagt die Post Production nichts, andere sind fanatische Scheideraum-Fetischisten. So oder so, ein altes Sprichwort sagt: Der Film entsteht im Schneideraum.
Ein Cutter wird pro Film etwa acht Wochen beschäftigt, Toncutter etwa drei Wochen, wenn sie die Tonmischung begleiten.
Was gibt es zu verdienen?
Cutter sind Angestellte, die 1.800 Euro pro Drehwoche verlangen können. Natürlich wird auch hier nach Produktion, Budget und Schwierigkeitsgrad unterschiedlich bezahlt.
Um einen Anhaltspunkt zu geben: Für Serienproduktionen werden ca. 250 Euro pro Tag gezahlt.
(Kino-)Filmcutter können wiederum 2.200 Euro pro Drehwoche verlangen, aber Spitzenkräfte bekommt der Filmemacher auch dafür nicht.
Cutterassistenten existieren natürlich auch und meist sogar zwei. Der 1. Assistent erhält ca. 900 Euro pro Arbeitswoche, obwohl der derzeit geltende Übergangstarif nur 720 Euro vorsieht.
Der 2. Cutterassistent verdient 700 Euro pro Woche, tariflich angesetzt sind heute 620 Euro.
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