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Maria Köpf

Kinofilm Produzentin, Zentropa Entertainments Berlin GmbH, Gründungsgeschäftsführerin X-Filme

Im Laufe der letzten 10 – 15 Jahre haben deutsche Filme erheblich an Aufmerksamkeit gewonnen, sowohl im In- als vor allem auch im Ausland. Deutsche Filme finden internationale Beachtung und Anerkennung, es gibt Oscar Gewinner und Filme, die international sehr erfolgreich laufen, all dies scheint auf einmal erreichbar. Oft wird man im Ausland gefragt, womit dieser „Boom“ zu tun hat, und neben den vielen möglichen Antworten (kreatives Potential, Filmförderbedingungen) liegt vor auch ein Aspekt auf der Hand, und dieser sei in aller Bescheidenheit an dieser Stelle genannt: Wir haben eine neue Generation von Produzenten.

Produzent sein heißt, sich als Wegbereiter eines Projektes und Begleiter der Regisseure und Autoren zu verstehen, in der Lage zu sein, gute Ideen zu erkennen, zu fördern und diese Stoffe durchzusetzen und gleichzeitig die Ökonomie im Auge zu bewahren ohne die Risikobereitschaft zu verlieren. Produzent sein heißt, für ökonomische Rahmenbedingungen und Budgets zu kämpfen, die jenes Arbeiten ermöglichen. Oft genug befindet sich der Produzent hier in einem enormen Spannungsfeld bezogen auf die Möglichkeiten, diese Budgets zu realisieren und sich später am Markt zu refinanzieren.

Darin besteht die große Herausforderung des unabhängigen Produzenten für sein Unternehmen: Für sich das richtige Businesskonzept zu entwickeln, mit dem er in der Lage ist, sich im Segment der Kinofilmproduktion durchzusetzen. Bei oftmals langwierigen Entwicklungs- und Finanzierungsphasen, erforderlichen finanziellen Eigenmitteln und der daraus resultierenden dünnen Eigenkapital-Decke (verbunden mit risikobehafteten Recoupment-Möglichkeiten im deutschen Kino/DVD und internationalen Weltvertrieb) ist ein Kinoproduzent in der Regel darauf angewiesen, seinen Overhead genau zu planen.

Um als Produzentin meine inhaltlich anspruchsvolle jedoch publikumsorientierte Ausrichtung weiter ausbauen zu können, freue ich mich sehr über die Partnerschaft mit der dänischen Zentropa, die seit nunmehr 15 Jahren bewiesen hat, daß Arthouse Filme international erfolgreich sein können. Hierbei stand/steht immer die Publikumsnähe der Filme im Vordergrund, die nicht im Widerspruch zu einer innovativen Filmsprache stehen muß, man betrachte Filme wie „Breaking the Waves“ oder „Italienisch für Anfänger“. Bei dieser Partnerschaft sollen gemeinsame Ressourcen gebündelt werden, was konkret bedeutet, daß die neue „Zentropa Berlin“ bei internationalen Koproduktionen in Zukunft ein fester Partner werden soll und auch deutsche Produktionen von diesen Möglichkeiten profitieren können. Dies beinhaltet insbesondere den Zugriff auf ein großes Know-How bezüglich der internationalen Auswertung von anspruchsvollen Filmen und vor allem deren Platzierung auf Festivals. Zentropa Berlin wird in enger Kooperation mit Zentropa NRW agieren (geleitet von Bettina Brokemper), wobei Berlin Heimat und Motor für deutsche Filme werden wird.

Unsere große Aufgabe für die Zukunft besteht darin, sich den Herausforderungen der sich verändernden Nutzungsarten des Mediums Film und der sich verändernden Sehgewohnheiten der Zuschauer zu stellen. Die Produzenten sind hierbei gefordert, sich auf diese Veränderungen vorzubereiten und vor allem, für Ziele gemeinsam einzutreten. Als Stichwort sei hier vor allem die dringend notwendige Entbündelung von Rechtepaketen genannt. Hierbei geht es darum, daß Online-Rechte in Zukunft als separates Recht zu betrachten sind und zum Beispiel Produktionen, die in Zusammenarbeit mit den Sendeanstalten entstehen, nicht automatisch auf den neuen Online-Platformen dieser Sender abrufbar sind, ohne daß hieraus eine Refinanzierungsquelle für den Produzenten entsteht. Wenn es nicht gelingt, gemeinsam mit der Politik neu geordnete Verwertungsketten durchzusetzen, wird die Produktions-landschaft hierdurch langfristig schwerste Eruptionen hinnehmen müssen.

Produzenten werden in Zukunft viel mehr gefragt sein, sich diesen Auswertungsfragen offensiv zu stellen und vereint aufzutreten, sowohl wenn es um Sendeplätze für Kinofilme in den deutschen Anstalten geht, als auch darum, jene Entbündelung der Auswertungsrechte zu erwirken. Film ist immer sowohl als Wirtschafts- als auch Kulturgut zu betrachten, und dafür einzustehen, die Herausforderungen anzunehmen und auch die Politik aufzufordern, hierfür Lösungen zu finden, ist die wichtigste Frage der Zukunft, der wir uns stellen müssen, um diese Kinokultur weiterführen zu können.

Produktion und Produzent

Die Produktion verdient ihr Geld mit der Herstellung und Auswertung des Films. Tatsächlich verdient sie es mehr mit der Produktion als mit der Auswertung, kaum ein Produzent lebt von den Gewinnen, die ein Film macht.

Die Produktion besteht aus drei Positionen:

Dem/der Produzentent/-in, der/die eigentlich Unternehmer und Geschäftsführer sind und nur noch in sehr kleinen Filmproduktionsunternehmen sich selbst um einzelne Filme kümmert und dann eigentlich in Personalunion die Funktion des Producers wahrnimmt. Der Geschäftsführer ist heute oft Jurist oder Kaufmann und wenig mit der eigentlichen Produktion beschäftigt, sondern nur mit der Akquisition neuer Produktionen und der Leitung der Geschäfte.

Dem/der Producer/-in obliegten heute die Tätigkeiten, die eigentlich dem Produzenten zugeordnet waren. Sie entwickeln den Film, sie akquirieren die Finanzen, sie überwachen die Produktionsdurchführung.

Producer ist deshalb der beliebteste Job in der gesamten Filmindustrie: Jeder will Producer werden (wenn er nicht Regisseur ist – dazu siehe unter „Regie“). Der Producer ist unendlich kreativ, kann aber die „echte“ Arbeit anderen überlassen, meist den armen Autoren. Er braucht nur die „Idee“ zu haben. Tatsächlich wäre der Job ein Traum, wenn nicht ein großer Pferdefuß winken würde: Am Ende des Tages ist ein Producer nämlich ein Verkäufer. Er muss die Idee den Geldgebern verkaufen und den Auftrag bekommen und das ist verdammt schwierig und ein sehr harter, oft frustrierender Job.

Es ist auch der Grund, warum es kaum einen Job gibt, der so hohe Gehaltsunterschiede kennt. Es beginnt für die Junior-Producer, die begehrteste Einstiegsposition, gerne mal bei knapp über 1.000 Euro im Monat und endet bei vielleicht einer Millionen – Letzteres bekommen aber nur die paar Stars, die ihren Arbeitgebern im Gegenzug zweistellige Millionen Umsätze einbringen. Realistische Honorarforderungen für einen gestandenen Producer, der einen Track-Rekord (Filme, die sie/er verantwortet hat) und Verkaufserfolge vorweisen konnte, liegt zwischen 5.000 und 8.000 Euro im Monat (zuzüglich der üblichen Angestelltenvergünstigungen). Meist gibt es für nennenswerte Neuaufträge noch eine Provision. Für einen TV-Movie pauschal kann er etwa um die 30.000 Euro kalkulieren, als ausführender Produzent für einen Kinofilm bei einem Budget um die 4 Mio. Euro ca. 50.000 Euro.

Der/Die Herstellungsleiter/-in ist eine Art „Über“-Produktionsleiter und überschaut alle Produktionen einer Produktionsfirma. Darüber hinaus ist er meist der Finanzchef der Produktionsfirma und in Personalunion oft der kaufmännische Geschäftsführer. Herstellungsleiter sind meist versierte Schlachtrösser, die die gesamte Palette der Filmindustrie durchlaufen haben und sind deshalb mit 6.000 bis 9.000 Euro monatlich zu entgelten. Wer mehr bekommt, hat meist ein sehr überzeugendes Argument dafür.

Natürlich sind je nach Größe des Unternehmens hier auch diverse Assistenten, Buchhaltung und weitere Funktionen, die ein Produzent für notwendig hält, vertreten. Jedoch sind es klassisch nur diese drei, die wirklich zu einem Produktionsunternehmen gehören. Deswegen erlebt man es auch oft, dass ganze Abteilungen gegründet und wieder aufgelöst werden (sehr beliebt: „Entwicklung“ als Abteilung überlebt meist kein Jahr).

Diese drei Positionen eint noch etwas: TV-Sender und auch die meisten anderen Finanzgeber akzeptieren sie nicht in einer Kalkulation als Kostenpositionen. Der Produzent muss sie aus seinen Erlösen finanzieren.

Man muss auch mal eine Niederlage zugeben können: In „Filmrecht“ schlug ich vor, den Begriff „Produzent“ gegen „Filmproduktion“ für ein Produktionsunternehmen auszutauschen. Kaum ein Vorschlag verhallte je ungehörter, also kehre ich reumütig zurück – größtenteils jedenfalls und mit der boshaften Gewissheit, dass es allein so ist, wie es ist, weil die Menschen es lieben, sich Produzent zu nennen mit dem ganzen Nimbus, den dieser Beruf einst hatte.

1. Wie wird man Produzent?

„Indem man nicht Regisseur wird, indem man nicht Produktionsassistent bleibt und sich Visitenkarten und Briefköpfe drucken lässt.“ das Zitat besaß viele Jahrzehnte Gültigkeit, jedoch auch hier macht sich der ständige Output der Filmhochschulen bemerkbar. Jede Filmhochschule, die was auf sich hält, bildet „Produktion“ aus und der Wettbewerbsvorteil, sich vier bis fünf Jahre nur mit dieser Materie beschäftigt zu haben, zahlt sich aus. Jedenfalls sind alle hoffnungsvollen Neugründungen fast nur noch solche erfolgreicher Filmhochschulabgänger.

Früher war auch gerne mal ein Produzent Journalist, einer sogar Polizist, andere kamen aus der Produktionsleitung oder aus der Redaktion.

Neugründungen sind auch des Öfteren noch die Ergebnisse von Talenten, die sich selbständig gemacht haben. Regisseure, Comedians und Moderatoren gründen besonders oft ihre eigenen Produktionsunternehmen. Es gehören ein gewisser Geschäftsinn und eine gewisse Geschäftstüchtigkeit dazu, damit das gelingt. Der Vorteil ist, dass auch die Gagen für das Produzieren in der Tasche desjenigen bleiben, der das eigentliche Talent ist. Der Nachteil ist, dass man mit dem eigentlichen Beruf mehr als gut ausgelastet und mit diesen zusätzlichen Aufgaben meist schon überfordert ist. Den meisten reicht es dann auch, sich selbst zu produzieren, und das Unternehmen „stirbt“ mit dem Ende der Produktion, manchen gelingt es aber ein weiteres erfolgreiches Standbein zu entwickeln und weitere Produktionen herzustellen, die nicht von der haupthandelnden Person abhängig sind. Das Regisseur-Kollektiv das „X-Filme“ gegründet hat, ist zum Beispiel so eines, auch wenn von Anfang an ein sehr hochkarätiger Filmproduzent Teil des Gespanns war.

2. Was verdient ein Produzent?

Die Produzentengage ist kein großes Geheimnis: Es wird unterschieden zwischen Kino und TV. Für verschiedene Sparten gibt es dann noch Sonderkonditionen, vor allem für Werbung. Ausgangspunkt für alle Berechnungen sind die Herstellungskosten des Films.

Die TV-Sender zahlen alle nach einem seltsam ausgekungelten Kompromiss aus den 50er Jahren anstandslos zwei Arten von Gewinnen:

Das eine sind die sog. Handlungskosten (kurz: HU). Handlungskosten sind ein pauschalierter Betrag für alles, was der Produzent für eine Produktion selbst zu zahlen hat: Assistenten, Flüge, Büro, Telefon und ähnliches sowie Gagen für Producer und Herstellungsleiter. Aus einem nicht wirklich zu ermittelnden Grund wird dieser Betrag mit 6–7,5 % kalkuliert und gezahlt.

Die Herstellungskosten plus die HU, also insgesamt 106,5 % werden als Grundlage der Berechnung für den Gewinn genommen. Als Gewinn werden ebenfalls 6–7,5 % Gewinn gezahlt. Es ist meistens so, dass wenn die HU mit 6 % berechnet wird, der Gewinn 7,5 % beträgt. Umgekehrt geben manche Sender nur 6 % Gewinn, dafür aber 7 % HU, also ergibt sich am Ende immer etwa die gleiche Zahl.

Im Kino ist alles anders. Der Produzent sollte eigentlich von den Gewinnen leben, die ein Film erwirtschaftet, die meisten tun es nur nicht. Wie viele Filme keinen Gewinn einbringen (gerne wird gesagt, nur einer von zehn macht Gewinn), wird mit meist abenteuerlichen Quoten angegeben, das Hollywood-Saying dazu ist: Die meisten Filme erzielen Verluste. Laut beklagt werden das verlustreiche Geschäft und das Darben der armen Produzenten.

Glauben Sie keinen Ton. Wenn das stimmen würde, gäbe es schon lange keine Produzenten mehr. Produzenten finanzieren sich nicht aus den Gewinnen, die ein Film macht, sondern aus dem Budget, das ein Film kostet. Entweder offen oder versteckt sind 10 % Producers Fee einkalkuliert und dazu existieren in jeder Kalkulation Posten, die nicht kosten, was sie kosten sollen. Das ist ein offenes Geheimnis. Ein Produzent erzielt so etwa 15 % der Budgetsumme als „seinen Teil“.

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