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Markus Maria Profitlich

Comedian und Produzent, Köln

„Der Comedy Boom ist vorbei!“ Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz im Laufe meiner Karriere schon gehört habe. Aber ich weiß noch, wann ich ihn zum ersten Mal hörte. Es war 1996. „RTL Samstag Nacht“ war auf dem Höhepunkt des Erfolgs und bei Sat 1 begann die „Wochenshow“ mehr und mehr für Furore zu sorgen. Wohin man auch schaute, es gab Comedy Shows auf allen Kanälen. Und das Feuilleton war sich einig: die Comedy Welle ist vorbei! Ausgerechnet jetzt, wo ich meine ersten Schritte ins Fernsehen machen sollte ...

Eigentlich bin ich durch Zufall zur Comedy gekommen. Es war Mitte der Achtziger Jahre und es gibt wahrscheinlich keinen Job, den ich in bis dahin in meinem Leben noch nicht gemacht hatte. Ich war Schweißer an einer Werft. Ich habe als Waldarbeiter Bäume gefällt. Ich bin Gabelstabler gefahren und ich habe eine Lehre als Schreiner gemacht. Aber keiner dieser Jobs hat mir auch annähernd soviel Spaß gemacht als auf der Bühne zu stehen und die Menschen zu unterhalten. Mein erster Auftritt war mit zwei Bekannten im Frauenkostüm. Nach dem Vorbild von Mary und Gordy tingelten wir als Travestie Trio „Magic Marabus“ durch das Land. Für meine beiden Mitstreiter war nach 450 Auftritten Schluss mit der Comedy Welle. Für mich war es erst der Anfang. Die nächsten Jahre tourte ich mit Andy Mhlack als Comedy Duo und gründete in St. Augustin meinen eigenen Comedyclub, in dem ich damals unbekannte Künstler wie Bastian Pastewka, Bernhard Hoecker und Gaby Köster begrüßen durfte.

Die erste Comedy Sendung, in der ich als festes Ensemblemitglied mitspielte, war eine Sketchshow namens „Happiness“ und wurde von dem legendären Jackie Drecksler produziert. Damals war ich mit meinen 36 Jahren, der wahrscheinlich älteste Newcomer im deutschen Fernsehen. Dabei konnte ich schon damals auf knapp 15 Jahre Bühnenerfahrung zurückblicken, in denen ich weit über 1000 Auftritte hinter mich gebracht hatte. Trotzdem war ich nervös, denn längst nicht alles, was auf der Bühne funktioniert ist, wirkt auch auf der Mattscheibe noch komisch. Zum Glück war da Jackie Drecksler, ein Fernsehmacher durch und durch, der unendlich viel Erfahrung mit dem TV Geschäft hatte. Jackie hatte schon damals ein enormes Gespür, welche Gags im Fernsehen funktionieren und welche man besser nicht machen sollte. Jackie wußte genau, was bei den Leuten ankam und warum Wörter mit einem „K“ drin Leute zum Lachen bringen. Auch wenn die Show trotz aller seiner Erfahrungen „nur“ 30 Folgen überlebte, habe ich von Jackie sehr viel lernen können. Dinge, die sich mir auch heute noch als Produzent als nützlich erweisen.

1999 – der Comedy Boom war trotz aller Unkenrufe noch immer nicht vorbei – kam dann mein großer TV Durchbruch. An der Seite von Ingolf Lück, Anke Engelke und Bastian Pastewka, spielte ich bei der „Wochenshow“ und war für vier Jahre ein Teil der „witzigsten Nachrichten der Welt“. Trotz allem Stress, machte die Arbeit saumäßige viel Spaß. Woche für Woche eine Show zu stemmen, verlangt von allen Beteiligten ein riesiges Engagement. Egal ob Maske, Kostüm oder Produktionsfahrer – jeder ist bei einer Fernsehshow wichtig und es klappt nur, jeder wenn alle als Team zusammenarbeiten. Besonders wichtig sind die Autoren. Alle im Team wissen das und alle tun ihr Bestes, dass die Autoren das nicht herausfinden. Als Bühnenkomiker kann man mit einem guten Gag oder Sketch, den man sich selbst ausgedacht hat, ein ganzes Jahr die Leute unterhalten. Man spielt jeden Abend in einer anderen Stadt vor einem anderen Publikum und der Gag ist jeden Abend frisch und (hoffentlich) lustig. Bei einer Fernsehshow ist das anders. Das Publikum will Abwechslung und daher muss jede Woche ein neuer Sketch her. Oder besser gesagt bei einer Sendung wie der Wochenshow an die 30 Sketche. Und das Woche für Woche, Jaqhr für Jahr. Als Komiker kann man das nicht alleine schaffen. Man ist auf die Kreativität der Comedy Autoren angewiesen. Zum Glück gibt es in Deutschland mittlerweile sehr viele, wenn auch nicht genug, gute Comedy Autoren. Ohne deren Hilfe wäre es mir niemals gelungen sechs Jahre lang meine eigene Sketch Show „Mensch Markus“ zu präsentieren. Dank ihrer Unterstützung konnte ich in über 1800 Sketchen spielen. Ohne meine Autoren wären es vielleicht nur 100 gewesen ...

Es gibt viele schlaue Leute, die wissenschaftlicher erklären können, wann etwas komisch ist. Ich habe eine einfachere Erklärung. Komisch ist etwas, wenn die Leute darüber lachen. Nicht mehr und nicht weniger. Ich bin nicht der Theoretiker, bei mir entscheidet der Bauch. Und da es mein eigener Bauch ist und dieser in den letzten 20 Jahren ziemlich häufig richtig gelegen hat, ist es für mich immer wichtiger geworden alleine die Entscheidung zu treffen, welche Sketche ich spiele und welche nicht. Es ist wie beim Kochen, zuviele Köche verderben einfach den Brei. Bei einer Fernsehshow bestehen diese Köche meistens aus Redakteuren und Produzenten. Jeder hat seine Meinung, besser gesagt Bedenken, zu einem Witz und die endlosen Diskussionen in miefigen Konferenzräumen können einem wirklich jeden Spaß an der Arbeit rauben. Daher war es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis ich begann meine eigenen Sendung selbst zu produzieren. Natürlich muss ich mich immer noch bei dem ein oder anderen Gag mit der Redaktion des Senders herumstreiten, aber als Hauptdarsteller und Produzent in einer Person habe ich natürlich einen ganzen anderen Standpunkt.

Als Produzent und somit als Unternehmer geht es darum den Markt zu kennen und wie jeder Markt richtet sich auch das Comedy Geschäft nach Angebot und Nachfrage. Diese Nachfrage ändert sich beständig. Waren es in den 90ern noch die großen Comedy Shows wie „RTL Samstag Nacht“ und „Wochenshow“ die die Zuschauer zum lachen brachten, änderte sich das bald zugunsten von Sitcoms. Hits wie „Ritas Welt,“ „Nikola“ und „Die Camper“ hatten zu ihren Glanzzeiten Einschaltquoten, von denen heute so manche Samstagabendshow nur träumen kann. Dann waren eine Zeit lang Impro-Shows der Renner. Zur Zeit sind es Sketchshows die den Markt beherrschen. Serien wie „Die dreisten Drei“ und „Sechserpack“ sind sehr beliebt. Und selbst mit der Xten Wiederholung einer „Mensch Markus“ Episode, lassen sich noch immer sehr gute Einschaltquoten erzielen. Meine eigene Produktionsfirma produziert zur Zeit allein drei verschiedene dieser Serien. Trotz des Erfolges versuche ich meine Firma weiterzubringen. Zur Zeit arbeite ich mit meinem Team an neuen Serienkonzepten und auch der Sprung auf die Kinoleinwand ist in greifbare Nähe gerückt. Auch das Internet wird nach wie vor als Zukunft der Unterhaltungsbranche angepriesen. Ich weiß nicht, wieviele Jahre es noch dauert, bis ein Produzent mit seinen Inhalten im Netz Geld verdient. Ich kann auch nicht sagen, ob das Internet den Fernseher ersetzten wird. In einem Punkt jedoch bin ich absolut sicher: der Comedy Boom wird auch in 20 Jahren noch nicht vorbei sein. Na ja, ich hoffe es jedenfalls ...



Karl-Heinz von Liebezeit

Schauspieler, Gründungsmitglied BFFS, Mitglied der Deutschen Filmakademie:

„Der durchschnittlich bzw. von Jahr zu Jahr mehr oder weniger beschäftigte Film/Fernsehschauspieler (in einem Gagensegment von 1500-3000 Euro pro Drehtag) sieht sich über Jahrzehnte hinweg mit sozialrechtlichen und versicherungstechnischen Problemen bzw. Umständen konfrontiert, die seine gesetzliche Rentensituation und auch die der Arbeitslosenversicherung ad absurdum führen.

Aufgrund der nominell hohen Tagesgage, die in allen Belangen auf den Monat umgerechnet wird, zahlt er – inklusive der höchsten Steuerrate – jeweils Höchstsätze in sämtlichen Versicherungenssparten: Kranken-, Renten-, Arbeitslosenversicherung.

Sämtliche gesetzlichen Versicherungsbeiträge werden von der betr. Produktion immer nur auf die anfallenden Drehtage gezahlt, obwohl der im Vertrag zugrundegelegte Zeitraum, für den sich der Darsteller verpflichtet einen weit grösseren Zeitraum umspannt. Dieses Verfahren wirkt sich insofern negativ bzw. gradezu katastrophal auf die Rentenanwartschaft und das Erlangen von Arbeitslosengeld aus, als dass der Arbeitnehmer aufgrund seiner wenigen Versicherungstage pro Jahr eine nur minimale Rente bei aber Höchstbeiträgen erwirtschaftet.

Hinzu kommt, dass der im Filmgeschäft immer zeitlich befristet angestellte Schauspieler so gut wie nie den Anspruch auf Arbeitslosengeld geltend machen kann, da es ihm kaum möglich ist, in 2 Jahren 365 Dreh- bzw. Versicherungstage zu leisten ... freischaffende Film- und Fernsehschauspieler, die in solchem Zeitraum dieses gesetzlich verordnete Pensum an Arbeitstagen absolvieren, gibt es nicht!

Den derzeitigen Versicherungstatus diktiert einerseits die betreffende Produktionsfirma, die sich aus Kostengründen weigert, Textlerntage, An- und Abreisetage, Kostüm- und Maskentermine sowie anberaumte Probentage als versicherungsrelevante Arbeitstage anzuerkennen; andererseits liegt die Verantwortung für diese soziale Schieflage beim Gesetzgeber, der nominelle „Tagesgrossverdiener“ aus den Sozialversicherungen möglichst heraushalten möchte, da die Ansprüche aus den gezahlten Versicherungssummen in einem kritischen Verhältnis zum Anspruch stehen könnten.

Diese Fakten sind nur hinsichtlich der versicherungstechnischen Aspekte relevant und nur EIN Ausschnitt aus dem Alltag von angeblichen „Grossverdienern“. Insgesamt ist die Lage schon seit bestimmt 30 Jahren für freischaffende Schauspieler ungerecht. Hinzu kommt ein völlig verzerrtes Bild in der öffentlichen Wahrnehmung! Es mag vielleicht um die 100 sogenannte „Topstars“ geben; die solche Problemstellungen nicht haben, weil sie horrende Gagen fordern können und auch erhalten ... es sei ihnen gegönnt.

Wenn ich heute einem mittleren Angestellten mit gutem Gehalt erzähle, dass sein Monatsgehalt in etwa meine Tagesgage ist, kann ich nur einen bösen und sarkastischen Kommentar erhalten...wenn ich ihm dann aber sage, dass meine Rente sich nach 25 Arbeitsjahren auf ca. 280 Euro beläuft, wird er mich bemitleiden oder die Welt nicht mehr verstehen! Das ist aber die rein gesetzliche Realität von hunderten oder tausenden Schauspielern in diesem Land!

Dennoch sind wir – entgegen landläufiger Meinung – keine drogenabhängigen, versoffenen Egomanen mit Profilneurose, die dann noch mit diesbezüglichen Büchern Kasse machen, sondern eine Berufsgruppe, die ihren Job mit Leidenschaft und gehörigem Einsatz erfüllen möchte, wie andere Menschen auch! Wir bereiten unsere Arbeitstage genau und penibel vor, wir lernen über Tage und Wochen seitenweise unseren Text, kommen gut vorbereitet ans Set und wollen aus Überzeugung unser Bestes geben, im Einverständnis mit einem ebenso freischaffenden und zugewandten Regisseur.

Dass sich der Verband BFFS gegründet hat, ist eine längst überfällige Konsequenz, denn es geht neben den sozialrechtlichen Fragen auch um die Felder: Verwertung, Medienrechte, soziale Mindeststandards, Ausbeutung durch Sender etc. Andere europäische Länder und auch die USA haben die Zeichen der Zeit schon vor Jahrzehnten begriffen und höchst schlagkräftige Verbände gegründet! Es wird sicher noch Jahre dauern, bis wir diese Standards in Deutschland erreichen werden ... aber ich glaube daran, dass wir uns mit dem BFFS durchsetzen können, ohne maßlos zu werden!

Schauspieler
mit Harald Will, Agent, trusted agents, Berlin

Der Markt für Schauspieler ist extrem uneinheitlich, das Angebot zu groß. Auch ist der nicht geschützte Titel „Schauspieler“ ziemlich beliebig verwendbar. Wer es ernst meint, studiert an einer der staatlichen Schauspielschulen, die immer im Herbst ihre Aufnahmerituale haben. Viele Hundert hoffnungsvolle Anwärter sind dann unterwegs, denn man kann die Schulen auf einer Ochsentour nacheinander abklappern in der Hoffnung, dass ein der Schulen einen aufnimmt. Sönke Wortmann hat in seinem Film „Kleine Haie“ dieser Tour ein Denkmal gesetzt. Puristen akzeptieren übrigens für eine Besetzung nur Schauspieler mit einer Ausbildung an der staatlichen Schauspielschule und mit Erfahrung an einer Bühne.

Die privaten Schauspielschulen sind ebenso viele wie vielfältige, einige taugen sogar etwas. Da sie relativ teuer sind, ist es immer schwer zu beurteilen, ob sie jemand annehmen, weil er oder sie talentiert ist oder weil sie das Geld brauchen.

Die staatlichen Schauspielschulen haben recht strenge Auswahlkriterien, die aber selbstverständlich je nach Schule variieren (Schauspiel ist neben Handwerk eben auch Kunst und erlaubt sehr verschiedene Ansätze und Interpretationen). Jede der arrivierten Schulen prägt und vermittelt einen besondern “Stil” (Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch", Berlin; Max Reinhardt Seminar, Wien; Otto Falckenberg Schule, München etc.). Studenten dieser Schulen haben sicher überwiegend Theaterarbeit im Visier.

Der Ausbildung für die Bühne wird hier größeres Gewicht beigemessen als der Perspektive Arbeit vor der Kamera. Jungen künstlerischen Nachwuchs wählen Theaterintendanten dann auch im Wesentlichen bei den diversen Intendantenvorsprechen dieser Schulen.

Private Schauspielschulen geben der Vielzahl abgewiesener Bewerber eine weitere Chance auf einen Ausbildungsplatz. Auch hier sind Auswahlverfahren zu durchlaufen.

In Hinblick auf eine berufliche Perspektive gewichtet die Ausbildung der privaten Schulen das Arbeitsfeld vor der Kamera. Angesichts der Vielzahl von Programmstunden mit fiktionalen Programmen erscheint es realistisch, nach der Ausbildung in diesem Markt einen Platz zu finden. Ohne diese Beurteilung wäre wohl kaum ein Student bereit, über drei Jahre monatlich je nach Institut zwischen 300 und 600 Euro Schulgeld aufzubringen.

Einige der privaten Schulen haben sich über viele Jahre einen guten Ruf und damit einen Platz neben den staatlichen Schauspielschulen erarbeitet. Es werden keine Unterschiede gemacht, die Absolventen ebenso unvoreingenommen beurteilt wie die der staatlichen Schulen. Tatsächlich kann sich aber nur eine sehr geringe Zahl der Absolventen, besonders der privaten Schulen, am Markt positionieren, sehr wenige von ihnen können überhaupt ihren Lebensunterhalt mit der Arbeit als Schauspieler bestreiten.

Die Arbeitsfelder sind extrem unterschiedlich. Neben der Arbeit an Bühnen ist die Arbeit vor der Kamera der wichtigste Arbeitsbereich.

Selbst Kameraarbeit ist extrem unterschiedlich organisiert und fordert unterschiedliche Qualifikationen. Die Bandbreite reicht von der sorgfältigen Gestaltung eines Charakters für einen anspruchsvollen Kinofilm bis zur bloßen Darstellung eines Typs mit ellenlangen Textpassagen und ohne Gestaltungsspielraum.

Die realen Schnittzeiten des Tagespensums eines Schauspielers liegen da zwischen Szenenlängen von 2 Minuten in Kinoproduktionen bis hin zu 45 Minuten in täglichen, fast dokumentarischen Formaten.

Wem auch das zu mühsam ist, dem reichen einige Seminare, die von mehr oder minder kompetenten Trainern gerne auch mal nur für ein Wochenende angeboten werden.

Wer verdient was?

Die Unterschiede könnten größer nicht sein, fangen wir unten an:

Komparsen laufen durchs Bild und sind im Haufen zu sehen, sollen 60 Euro pro Tag erhalten und werden pauschal versteuert (d. h., es muss keine Lohnsteuerkarte abgegeben werden und es fallen keine Sozialversicherungen an).

Haben Sie einen Satz zu sagen, können sie so etwa das Doppelte erhalten. Bei mehr als einem Satz plus ein bisschen Spiel (Im Laden: „Was möchten Sie?“ – „Bitte hier, ihr Rückgeld.“) sind Sie schon keine Komparsen mehr, sondern Kleindarsteller, die nicht mehr pauschal abgerechnet werden können und 300–500 Euro erhalten.

Schauspielergagen fangen bei 700 Euro für junge Schauspieler ohne Erfahrung (und ohne Agentur) an, mit Bühnenerfahrung beginnt es etwa bei 900 Euro. Es gibt sicherlich auch Angebote, die deutlich darunter liegen.

Die Gagen sind kontinuierlich stark gestiegen, seit die privaten TV-Sender sich auf den Markt begeben haben, aber mit dem Abschwung gingen auch die Gagen runter. Seit ca. 2002 sinken die Gagen wieder. Davor wurden Programmplätze stark mit seriellen Produktionen bestückt, seit 2002 werden preiswertere Programme, insbesondere Unterhaltungssendungen, Talkshows, Quiz und Doku-Soaps von den TV-Sendern bevorzugt, was das Angebot deutlich verringerte. Gleichzeitig hatte der Boom für ein Überangebot an Schauspielern gesorgt und es waren so viele Schauspieler am Markt, dass hohe Gagenforderungen nicht mehr berücksichtigt werden mussten.

Ein Ende der Misere für Schauspieler ist immer noch nicht wirklich absehbar, da die neue Gesetzgebung jetzt Schauspieler zwingt, 365 Tage in zwei Jahren zu arbeiten, um einen Arbeitslosengeldanspruch zu haben, der früher über das Gröbste hinweghalf.

Auch wenn es eine reine Subventionierung der Schauspieler war, die nach EU-Recht nicht mehr zulässig war, ist der neue Zustand jedoch dazu geeignet, die Gagen noch weiter in den Keller zu treiben: Die fehlende soziale Sicherheit wird dazu führen, dass noch mehr Schauspieler ihre Dienste zu günstigeren Konditionen anbieten.

Telenovela- und Daily-Schauspieler werden mit Monatsgagen zwischen 6.000 und 13.000 Euro abgefunden. Hauptdarsteller bekommen natürlich deutlich mehr, die Hauptdarstellerin in einer Telenovela erhält dann auch gut und gerne mal zwischen 250.000 und 400.000 Euro für eine Rolle, die sich über ein halbes Jahr zieht (die reine Drehzeit ist meist deutlich kürzer).

Bei Serien unterscheidet man Ensemble (ständiges „Personal“ der Serie) und „Episodenrollen“:

Die gute deutsche Serie (13 Folgen pro Jahr) bringt einem Schauspieler pro Drehtag 1.800 Euro. Für interessante Darsteller in durchgehenden Rollen kann es auch gerne mal etwas mehr sein. Deren Tagessatz liegt dann auch mal bei 2.200 Euro.

In Serien, insbesondere in sog. Weeklys, werden für das Stammpersonal Pauschalen ausgemacht. Auch hier wird gerne monatlich abgerechnet, die Beträge bewegen sich zwischen 8.000 und 20.000 Euro.

Der Fernsehfilm als Königsklasse und Premiumprodukt des TV versucht stets mit bekannten Schauspielern zu arbeiten, die auch hoch dotiert werden. Dadurch bleibt für die weiteren Schauspieler schon ein geringeres Budget übrig, denn auch die Schauspieler werden von den Geldgebern ziemlich pauschal in den Budgetierungen angesetzt.

Natürlich berechnet auch ein Sender gerne einen Aufschlag für einen seiner Lieblingsschauspieler, aber eigentlich passiert das selten und es wird immer alles zusammengerechnet und der Produzent muss sehen, wie der damit hinkommt.

Die Stars dieser Filme erhalten Tagesgagen von etwa 3.500 Euro bis 8.000 Euro.

Da es dann unter Schauspielern auch noch besonders begehrt ist einen TV-Movie zu spielen, im Gegensatz zur Serie, sind die Unterschiede zur Serie nicht mehr so groß, wie sie es einmal waren.

Auch die Sender unterscheiden sich in den Gagen, die sie zahlen: Die ARD und die ZDF haben früher den Hauptrollen eine Wiederholungsgage gezahlt, heute versuchen sie, das zu vermeiden, wann immer es geht. Damit einher ging aber keine Erhöhung der Gagen, insofern zahlen sie heute weniger als die privaten Sender. Hauptrollen erhalten meist 10 % des ursprünglichen Gehalts. Anders als bei Autoren, die 100 % betrugen.

90.000 Euro bis 100.000 Euro für eine Hauptrolle sind nicht unmöglich. Wir sprechen aber jetzt vom Premium-Prime-Time-Produktion, nicht gemeint sind kleine Fernsehspiele oder das „Debüt im Dritten“. Für die letzten beiden Produktionen werden Jungschauspielern immer wieder nur Pauschalen angeboten, die gerne mal jede gängige Norm unterschreiten und nur ein paar Tausend Euro betragen.

Etwa 15% aller Schauspieler werden von Agenten vertreten, die sich sehr dafür einsetzen, die Gagen auf einem vernünftigen Niveau zu halten.

Ebenso wie die Bandbreite der Formate vom TV-Film in Kinoqualität bis hin zur Dokusoap sind die angebotenen Gagen. Budgets für Dokusoaps oder fiktionalen täglichen Programmen sind so knapp bemessen, dass Tagesgagen von € 250 für Anfänger und € 700 für erfahrene Kollegen mit langer Theater- und Fernsehvita üblich geworden sind. Verhandlunsspielraum “0”. Eine Vielzahl arbeitsloser Schauspieler steht in Konkurrenz um eine immer geringer werdende Anzahl zu besetzender Rollen. Die wenigsten können sich erlauben, ein Angebot auszuschlagen.

Der Erosionsprozess der Gagenhöhen hat aber auch die sogenannten Premiumformate erfasst. Ein Rollenangebot für 1.300 Euro für einen Drehtag, bei selbstfinanzierter Anreise von Berlin nach München mit privater oder preiswerter, aber selbst zu tragender Unterbringung, sind übliche Angebote. Für die Mitarbeit von Schauspielern für TV-Movies privater Sender, die noch vor drei Jahren mit € 2.000 vergütet wurde. Anreise und Unterbringung wurden selbstverständlich von der Produktion organisiert und gezahlt.

Sicher haben sich mit dem Markteintritt der privaten Sender die Gagen für Schauspieler in kaum noch zu kalkulierende Sphären entwickelt.

Einzig das ZDF hat durch eine restriktive Gagenpolitik einen annähernd stabilen Rahmen halten können.

Die derzeitige Situation bildet ganz schlicht Marktparameter ab. Einem Überangebot an Schauspielern steht eine relativ geringe Nachfrage gegenüber, die Anzahl von Programmplätzen für Eigenproduktionen der Sender für ausreichend budgetierte Fiktionale Programme (TV-Movies oder Serien) ist zugunsten preiswerter internationaler Programme (US-Serien oder Kinofilme) deutlich verringert. Für die wenigen Premium-Produkte rekrutieren Sender und Produzenten aus Angst vor Quoten-Misserfolgen die beim Publikum bekannten immer gleichen Schauspieler.

Die meisten Timeslots, auf denen Eigenproduktionen programmiert werden, sind äußerst knapp budgetiert.

Eine relativ konstante Anzahl preiswerter täglicher Formate verschafft den glücklichen Auserwählten für sechs Monate bis zu einem Jahr Arbeit. Fast zu allen Bedingungen sind diese Schauspieler gezwungen zu akzeptieren. Von den ca 18.000 dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Schauspielern gilt das wahrscheinlich für mindestens 15.000.

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